Inklusion-Studie: Mehr als nur ein Happening

Autorin Jule Nicolaus (Foto:pr)

Autorin Jule Nicolaus (Foto:pr)

Von Friedrich Bräuninger

Bei den in die Tiefe gehenden Master- und Doktorarbeiten ist man gut beraten, sich erst mal das Fazit genauer anzuschauen. Dabei lässt sich oft das Wesentliche einer Forschungsarbeit gut herausdestillieren und recht schnell auf den Punkt bringen. „Sport und Inklusion – Eine organisationssoziologische Untersuchung zu Möglichkeiten und Grenzen am Beispiel des Golfsports“ ist das Thema einer jetzt brandaktuell vorgelegten Studie der Bielefelder Sportwissenschaftlerin Julia Lara Nicolaus. Sie kommt zu dem Ergebnis, dass trotz aller Vorstöße in Richtung der gleichberechtigten Teilhabe und Teilnahme (Inklusion) das gemeinsame Sporttreiben von Menschen mit und ohne Behinderung im organisierten Sport in Deutschland hochgradig defizitär ist.

Dies gelte besonders für den Golfsport, obwohl dessen Eignung gerade durch viele therapeutische Potentiale und die Funktion des Golf- Handicaps gegeben sei. Die meisten Verbände und Vereine seien noch nicht auf das gemeinsame Sporttreiben von Sportlern mit und ohne Behinderung eingestellt. Das Spektrum reiche von Vereinen, die das Thema fast gänzlich ignorierten, über Clubs, die allenfalls mit „Happenings“ die Inklusion unterstützten bis hin zu Trainingsgruppen und Inklusionsturnieren als fester Bestandteil eines vitalen Vereinslebens. Schwierigkeiten äußerten sich in Berührungsängsten der Mitglieder gegenüber Golfspielern mit Einschränkungen, barrierereichen Rahmenbedingungen, Unsicherheiten in den Regeln sowie fehlenden Zuständigkeiten. Dies sei laut Nicolaus nur eine kleine Auswahl von Hindernissen, die dem Zusammenspiel der Menschen mit und ohne Einschränkungen im Weg stünden.

Um hier diverse Forschungslücken zu schließen, beleuchtet Julia Nicolaus das Problem der Inklusion von Menschen mit und ohne Behinderung im Golfsport aus soziologischer Perspektive. Dazu wurden auch die Strukturen des Deutschen Golfverbands analysiert, um mögliche Veränderungsprozesse ableiten und konkrete Empfehlungen skizzieren zu können. Davon dürften auch die deutschen Golfclubs in hohem Maße profitieren und auf dem Weg zu mehr Inklusion hilfreiche Orientierung finden. So plädiert die Autorin eindringlich für die Benennung von Behinderten-Beauftragen in den Clubs und greift damit eine schon lange bestehende Forderung des BGC auf.

Die mit Bestnoten ausgezeichnete empirische Untersuchung wurde zu einem nicht unwesentlichen Teil in Form von Experteninterviews mit verschiedenen Beteiligten und Funktionsträgern durchgeführt. Dabei konnten auch BGC-Aktivisten wertvollen Input liefern. Obwohl es sich bei der Stichprobenauswahl um eine relativ kleine Zahl von Untersuchungspersonen handelt, ermöglicht diese Form der Untersuchung einen tieferen Informationsgehalt gegenüber so manchen großen und auf Repräsentativität angelegten Studien. Und spannender zu lesen ist das knapp 180 Seiten starke Nicolaus-Opus allemal.

Die Studie kann zum Preis von 49,80 (inkl. MwSt.) direkt bei Julia Nicolaus
( j.nicolaus@uni-bielefeld.de) in digitaler Form bestellt und bezogen werden.

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